Sternsingen in der Pandemie

Segen bringen, Segen sein. Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“

Es ist rund um das Dreikönigsfest ein Ritual, auf das sich Menschen in ganz Deutschland freuen: Die Sternsinger kommen, sammeln für den guten Zweck und segnen dafür die Häuser und Wohnungen. Dieses Jahr machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Doch es gab Möglichkeiten für einen Ersatz.

Wenn es in den ersten Tagen des neuen Jahres an der Haustür läutet, stehen die Chancen normalerweise nicht schlecht, dass es eine Gruppe von jungen Menschen ist, die draußen auf den Einlass ins Haus wartet. Das Sternsingen ist längst zur Tradition geworden und für viele Menschen ist es ein schönes Brauchtum, wenn die Kinder den Segen des menschgewordenen Gottes in die Häuser bringen. Dabei haben die Kinder und Jugendlichen, die als Sternsinger von Haus zu Haus ziehen, eine doppelte Aufgabe: Einerseits nehmen sie die Haussegnung vor, die traditionell um den 6. Januar herum vollzogen wird. Und anderseits bitten sie die Menschen um eine Gabe für Kinder in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt. Kinder gehen für Kinder auf die Straße; die Sternsinger engagieren sich alljährlich dafür, dass Kindern, denen es nicht so gut geht, Hilfe bekommen.

In diesem Jahr 2021 sah es anders aus: Aufgrund der anhaltenden Pandemie wurden zwar im Vorfeld viele kreative Ideen entwickelt, wie das Sternsingen trotzdem stattfinden kann. Dennoch wurde die Aktion aufgrund des Lockdowns von offizieller Seite abgesagt, um unnötige Kontakte zu verhindern und keinerlei Risiko im Blick auf die Verbreitung des Virus einzugehen. Doch damit entfällt nicht nur ein wichtiges Ritual, das den Anfang eines neuen Jahres prägt. Es stellt sich auch die Frage, wie kann das, was die Sternsinger normalerweise leisten, in der eigenen Familie vollzogen werden. Das betrifft zum einen die Haussegnung, die von den Sternsingern vorgenommen wird. Aber es lenkt auch den Blick auf den wohltätigen Zweck, für den die Sternsinger auf die Straße gehen. Da die Haussammlung ausfällt, droht die Gefahr, dass dringend benötigte Spendengelder ausbleiben. Dass die Kinder, die im Fokus der Sternsingeraktion stehen, vergessen werden, ist eine negative Folge der Corona-Pandemie, die im vergangenen Jahr bereits viele Hilfsaktionen getroffen hat.

Aktion Dreikönigssingen: "Segen bringen, Segen sein. Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit!" Zunächst wird es auch am Anfang dieses Jahres Möglichkeiten geben, um Kindern in Not Hilfe zukommen zu lassen. Bei der Sternsingeraktion stehen 2021 Kinder in der Ukraine im Mittelpunkt, deren Eltern im Ausland arbeiten. Wie und wo es möglich ist, für diese Kinder zu spenden, erfährt man am einfachsten über die eigene Pfarrei. Mancherorts werden vielleicht Überweisungsträger ausgeteilt, mit deren Hilfe man das Geld direkt auf das Konto der Sternsingeraktion überweisen kann. Andernorts wird es eine Spendenbox in der Kirche geben. Letztendlich werden die Pfarreien sicherlich rechtzeitig über das Vorgehen informieren, sodass jeder die Chance erhält, die gewohnte Spende für die Sternsinger auch in diesem Jahr tätigen zu können. Es ist wichtig, dass man sich auf diese andere Form der Geldabgabe einlässt, damit dringend benötigte Hilfsmittel nicht wegbrechen und Kindern in der Ukraine unsere Solidarität zuteilwird. Das Corona-Virus lässt die vielfältige Not in unserer Welt nicht verschwinden – es verschärft sie teilweise sogar noch. Umso wichtiger ist es, dass Spendengaben nicht ausbleiben, auch wenn die traditionelle Sammelaktion in diesem Jahr nicht möglich sein wird. Auch über die Homepage des Hilfswerks selbst ist das Spenden möglich.

Doch die Sternsinger sammeln nicht nur Spenden für notleidende Kinder, sie bringen auch den Segen des menschgewordenen Gottes in die Wohnungen und Häuser der Menschen. Meistens tragen die Sternsinger Weihrauch mit sich: Zeichen dafür, dass alles Böse und Schlechte vertrieben wird und dass ein neuer Duft in die Häuser einzieht. Weihrauch ist auch ein Hinweis auf das Heilige: Im Gottesdienst werden die Gegenstände mit Weihrauch geehrt, die Christus repräsentieren. Die Wohnungen der Menschen werden unter den Segen des Heiligen gestellt, der Duft des Weihrauchs ist ein Symbol dafür. Dann schreiben die Sternsinger einen Segenswunsch über die Türen der Häuser: 20*C+M+B+21. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Abkürzung als lateinischer Segenswunsch gedeutet: "Christus mansionem benedicat – Christus möge dieses Haus segnen". Wahrscheinlicher jedoch ist, dass die Abkürzung nichts anderes, als "Caspar, Melchior, Balthasar" bedeutet und auf die traditionellen Namen der drei Sterndeuter hinweist.

Es könnte ein alter Namenssegen sein, da den Namen der drei Könige seit alters her viele magische Kräfte zugesprochen wurden. Wenn die Namen der Könige über die Haustüren geschrieben werden, dann heißt das: Das Böse wird gewissermaßen schon an der Tür abgewehrt, es traut sich gar nicht in das Haus hinein. Ein Gedanke, der vor allem in einer alten Vorstellung vom Kampf des Guten gegen das Böse verhaftet ist. Heute lässt sich der Segensspruch vielleicht so verstehen: Wo die Sternsinger über die Türen geschrieben haben, dort hat der Weihnachtsfriede Einzug gehalten; dort wohnen Menschen, die unter dem Schutz und Segen des menschgewordenen Gottes stehen. Das ist eine Zusage, aber auch immer wieder ein Auftrag, an den die Kreideschrift das ganze Jahr über erinnert.

Die Haussegnung am Dreikönigstag vorzunehmen, geht dieses Jahr ausnahmsweise auch ohne Sternsinger. Es ist eine Feier, die man auch im Familienkreis durchführen kann. Gerade in früheren Zeiten, als es die Sternsingeraktion noch nicht gegeben hat, wurde die Haussegnung am 06. Januar traditionell von den Familien begangen. Und bis heute ist es mancherorts üblich, während der zwölf heiligen Nächte zwischen Weihnachten und dem Epiphaniefest mit Weihrauch und Weihwasser durch die Zimmer der Häuser zu ziehen. Ein uraltes Brauchtum, das sich bis heute in der Haussegnung am Dreikönigstag bewahrt hat.

In diesem Jahr, in dem die Sternsinger nicht kommen, konnte sich z. B. die Familie am 06. Januar zu einer kleinen Andacht versammeln. Hierzu bereitet man eine glühende Kohle vor, die man in einem feuerfesten Gefäß, zum Beispiel einer Tonschüssel mit Quarzsand, mit sich durchs Haus tragen kann. Außerdem hält man einige Körner Weihrauch sowie Weihwasser und ein Stück Kreide bereit. Die Feier lässt sich mit einer kleinen Andacht beginnen, die man am Christbaum und an der Krippe halten kann.

In unserer Pfarrei Rülzheim gibt es verschiedene Wege, den Segen zu empfangen und seine Spende abzugeben, z. B. in Hördt können Sie Ihre Spenden überweisen oder in die Spendenboxen, die bei den Bäckereien Schwab und Stephan, der Metzgerei Hormuth sowie im Hofladen Fischer bis zum 30.01.2021 einwerfen.

Sie können aber auch die Spenden überweisen oder im zentralen Pfarrbüro abgeben oder in den dortigen Briefkasten werfen. Bitte geben Sie dabei Ihren Ort an, da die Spenden an unterschiedliche Hilfsprojekte gehen (Rülzheim und Kuhardt: Pater Franklin, Leimersheim: Ghana und Hördt: Ukraine

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