Impuls

FRIEDEN

„Meide das Böse und tue das Gute, suche den Frieden und jage ihm nach.“ Diese Handlungsanweisung aus der Bibel ist für mich ein starkes Programm. Meide das Böse - konsequent und wachsam. Dann die Steigerung: Tue das Gute – kraftvoll und kompetent. Und schließlich der Gipfel: Suche den Frieden und jage ihm nach. Wenn die Bibel von Frieden spricht,  dann meint sie keinen bloßen Waffenstillstand oder Gewaltverzicht. Friede in der Bibel – das ist Freiheit und Gerechtigkeit, Solidarität und Sicherheit, Vergebung und Versöhnung  zwischen Gott und den Menschen und der Menschen untereinander. Und diesen Frieden soll ich aktiv suchen und ihm hinterherjagen. Anscheinend liegt er nicht offen zu tage. Er ist  eher verborgen, vielleicht verdeckt und versteckt. Ich muss vielleicht erst anderes zur Seite räumen, bevor ich ihn finden kann: Vorurteile und Ängste, Hass und Ablehnung und vieles  mehr. Deshalb heißt es: Suche den Frieden, lass dich nicht entmutigen, wenn du ihn nicht auf den ersten Blick entdeckst. Er ist gewiss da, aber du musst ihn finden.

Zugleich ist der Frieden nicht nur verborgen, er ist offensichtlich auch scheu und flüchtig: Suche den Frieden und jage ihm nach. Nachjagen – das heißt auf der Spur bleiben, nicht nachlassen, nicht aufgeben – bis der Frieden erreicht ist. Dabei steht für die Bibel außer Zweifel: Friede ist  möglich. Auch wenn er Anstrengung kostet.

Mich ermutigt diese Sicht der Bibel auf den Frieden. Sie ist nicht naiv, sondern realistisch. Sie kennt die Mühen, die das Suchen nach dem Frieden macht. Sie kennt die Ausdauer, die ich für die Jagd nach dem  Frieden brauche. Die Bibel ist aber auch nicht pessimistisch. Sie resigniert nicht bei der Suche nach dem Frieden. Sie ermuntert vielmehr, dem Frieden so konsequent nachzustellen wie ein unermüdlicher Jäger. Denn bei aller Suche und Jagd ist der echte Friede für die Bibel nicht nur Menschenwerk: Er ist Gottes Geschenk - für uns.

Gott selbst will den Frieden. Deshalb ist es aussichtsreich, den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen - auch bei widrigen, auch bei kriegerischen Umständen. Suchen wir den  Frieden - und jagen wir ihm nach.

Mario Junglas, Mainz, Katholische Kirche

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