Impuls
Alles neu
„Siehe, ich mache alles neu.“ Das ist die Jahreslosung 2026 der christlichen Kirchen. Jahr für Jahr wählt eine Ökumenische Arbeitsgemeinschaft dieses Jahresmotto aus.
„Siehe, ich mache alles neu.“ Der Satz stammt aus dem letzten Buch der Bibel. Dem Buch der Offenbarung.
Manchmal wird auch von der Apokalypse des Johannes gesprochen. Das ist der Autor und er beschreibt in seinem Buch das Ende der Welt. Doch das wird verbunden mit der Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde. Mit der Hoffnung, dass alles neu wird. Die Offenbarung wird Ende des ersten Jahrhunderts im Westen der heutigen Türkei aufgeschrieben. Der römische Kaiser lässt sich damals als Gott verehren – und droht allen mit dem Tod, die das nicht tun. Dass die Christen das nicht können, liegt auf der Hand. Sie verehren einen anderen Gott.
In dieser Situation trifft das Buch einen Nerv. Es tröstet die verfolgten Christinnen und Christen. Es sagt: Diese Welt voller Angst und Tod, die wird untergehen. Gott macht alles neu.
Auch heute erscheint vieles bedrohlich. Die Weltlage, Kriege und Klimakatastrophe. Und auch im Privaten gibt es diese Umbrüche. Beziehungen zerbrechen, die Berufswelt ändert sich rasant, Kirchen müssen mit Mitgliederschwund und ihrer Glaubwürdigkeit kämpfen. „Siehe, ich mache alles neu.“
Das ist ein Satz, der die Blickrichtung wechselt. Macht deutlich: Es geht nicht nur um meine Vorstellungen, was ich alles tun kann. Um meine Pläne. Der Neuanfang,
so sagt Johannes, liegt nicht allein bei mir. Das Heil der Welt hängt nicht von mir ab. Ich finde das tröstlich. Und das macht mich frei. Frei für die wenigen Dinge, die ich tatsächlich tun kann. Neuanfang da, wo es im Kleinen möglich ist: Mich zurücknehmen, wenn ich genervt bin; mal zuhören, wenn andere etwas sagen und nicht direkt nach Antworten und Lösungen suchen; Dinge schon früher anpacken und nicht erst, wenn höchste Eisenbahn ist; sagen, wenn mir was unter den Nägeln brennt und nicht alles runterschlucken. So kann auch ich Neues schaffen – den Rest kann ich Gott überlassen.
Thomas Weißer