Impuls
Kirchliche Bestattung oder nicht?
Zwischen persönlichem Wunsch und letzter Ehre: Wie wir den Willen unserer Verstorbenen wahren
Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag. Viele besuchen in diesem besonderen Monat November die Gräber Ihrer lieben Verstorbenen und erinnern sich an sie und ihr Wirken. Dazu folgende Überlegungen.
In den vergangenen Monaten erfüllt uns als Pfarrgemeinde eine Beobachtung immer wieder mit Sorge und Wehmut: Gemeindemitglieder, die über viele Jahre oder gar ihr ganzes Leben lang fest in unserer Pfarrei verwurzelt waren und bis zuletzt regelmäßig den Gottesdienst besucht haben, werden nach ihrem Tod nicht kirchlich bestattet. Stattdessen finden Beerdigungen mit freien BegleiterInnen statt – oft auf Wunsch der hinterbliebenen Angehörigen, die selbst keinen Bezug mehr zur Kirche oder zum christlichen Glauben haben.
So verständlich es ist, dass Hinterbliebene in der akuten Trauer nach Formaten suchen, die sich für sie vertraut oder unkompliziert anfühlen: Der ausdrückliche Wille der Verstorbenen droht dabei oft in den Hintergrund zu treten, so unsere Einschätzung. Wer sonntags mit der Gemeinde den Glauben gefeiert hat, wünscht sich in der Regel auch, mit dem Zuspruch der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung zur letzten Ruhe gebettet zu werden, wissen wir als SeelsorgerInnen aus Gesprächen und Begegnungen.
Die kirchliche Bestattung ist kein bürokratischer Akt, sondern eine vertraute Wegbegleitung und eine letzte Würdigung des Lebenswegs im Geiste des Glaubens, der den Verstorbenen ein Leben lang getragen hat. Mit dem Segen Gottes und der Kirche unsere Welt verlassen.
Was können wir tun? Praktische Schritte für Gemeindemitglieder und Angehörige
Damit der eigene Wille auch im Todesfall respektiert wird und Angehörige in der schwierigen Phase der Trauer Klarheit haben, gibt es konkrete Möglichkeiten der Vorsorge:
- Das Gespräch mit den Angehörigen suchen:
Sprechen Sie offen mit Kindern oder Verwandten über Ihre Vorstellungen. Erklären Sie ihnen, warum Ihnen ein kirchlicher Abschied wichtig ist. Oft geschieht die Wahl für einen freien Trauerredner nicht aus böser Absicht, sondern aus Unsicherheit oder Gleichgültigkeit der Hinterbliebenen. - Den Wunsch zu Lebzeiten schriftlich festhalten
Verlassen Sie sich nicht nur auf mündliche Absprachen. Bitten Sie Ihre Angehörigen, Ihren Wunsch nach einer kirchlichen Beerdigung zu respektieren und halten Sie diesen schriftlich fest (z. B. in einer Bestattungsverfügung oder einer Notiz zu den persönlichen Unterlagen / Testament. - Vorsorge beim Bestattungsinstitut hinterlegen
Sie können bereits zu Lebzeiten bei einem Bestatter eine Bestattungsvorsorge abschließen und dort explizit festlegen, dass eine kirchliche Trauerfeier (Hl. Messe/Wortgottesdienst und Beisetzung durch einen Priester oder Pastoralreferenten) gewünscht ist. - Kontakt zur Pfarrei aufnehmen
Wenn Sie unsicher sind oder spezielle Fragen zur Gestaltung haben, wenden Sie sich jederzeit an unser Pfarrbüro oder das Seelsorgeteam. Wir unterstützen Sie gerne dabei, Ihre Wünsche zu formulieren.
Ein Wort an die Angehörigen
Liebe Angehörige, auch wenn Sie selbst der Kirche vielleicht fernstehen oder Zweifel tragen: Eine kirchliche Bestattung bedeutet vor allem, den Lebensentwurf und die Überzeugungen des Verstorbenen, des Vaters, der Mutter, zu ehren. Sie erfordert von Ihnen keinen Glaubensbeweis. Unsere Seelsorgerinnen und Seelsorger gestalten das Trauergespräch und die Feier mit großem Einfühlungsvermögen für die gesamte Familie – und schenken Trost aus der christlichen Hoffnung, die über den Tod hinausreicht.
Pfarrer Michael Kolb
Ansprechpartner & Kontakt:
Pfarrbüro: Pfarrei Hl. Theodard Rülzheim
Pastoralteam (Priester und Gemeindereferent)
Telefon: 07272-919527
E-Mail: pfarramt.ruelzheim@bistum-speyer.de