Der erste synodale Versuch ist geglückt

Nach dem Ende der ersten Vollversammlung des Synodalen Wegs, mit dem die katholische Kirche
Themen besprechen will, wie die Zukunft der Kirche aussehen kann, haben die meisten Teilnehmer
eine positive Bilanz gezogen. In Frankfurt trafen sich 230 Teilnehmer, Laien und Bischöfe, um über
strittige Themen zu diskutieren.

Wir sollten diese drei Tage als Experiment verstehen, haben die Veranstalter gesagt. Experimentell
war schon der Name: Synodaler Weg. Das gab es noch nie in der katholischen Kirche, dass Bischöfe
und Vertreter des Kirchenvolks offen und öffentlich miteinander diskutieren und Entscheidungen
fällen. Das Experiment hätte auch schiefgehen können. "Wie im Chemieunterricht", sagte
ein Teilnehmer, "da kann es auch mal explodieren". Doch das lässt sich nach drei Tagen auf dem
„Synodalen Weg“ schon sagen: Der erste Versuch ist geglückt.

Auch wenn einzelne Teilnehmer schon die Versuchsanordnung prinzipiell in Frage stellten (Bischof
Voderholzer) oder den Ausgang in Zweifel zogen (Kardinal Woelki). Es wurde in Frankfurt offen
gesprochen und gestritten und größtenteils auch geduldig zugehört. Die Kritiker des Synodalen
Wegs haben sich nicht ins Schneckenhaus zurückgezogen, sondern sich an den Debatten beteiligt.
Auch das ist ein Erfolg. Dass lange um die Geschäftsordnung gerungen wurde, zeigt, wie ernst es
den Teilnehmern mit dem Reformprozess in der katholischen Kirche ist.

Ein Manko: Manche Debatten waren doch sehr binnenkirchlich und sehr auf sich bezogen. Auch
wenn sich Caritas-Präsident Peter Neher redlich bemühte, immer wieder den Blick von außen ins
Versuchslabor einzubringen, beispielsweise bei den Themen Zölibat oder Sexualmoral, die außerhalb
der katholischen Welt kaum mehr kommuniziert werden könnten. Vielleicht laden sich die Synodalen
beim nächsten Mal Gäste ein: Menschen, die der Kirche kritisch gegenüberstehen oder mit
ihr schon abgeschlossen haben?

Was auch weitgehend fehlte, war die Perspektive der Missbrauchsopfer. Dabei ist die Missbrauchskrise
der Ausgangspunkt für diesen Synodalen Weg gewesen. Doch zentrale Fragen konnten die
Bischöfe im Vorfeld nicht klären: Wie soll unabhängige Aufarbeitung geschehen? Wie sollen Opfer
entschädigt werden? Diese offenen Fragen lasteten als Hypothek auf der Veranstaltung. Aber das
lässt sich ja bis zur nächsten Etappe des Synodalen Wegs korrigieren. Im September findet das
nächste Experiment statt. Wir dürfen darauf gespannt sein.